
Die Geschichte der Eifeler Eisenindustrie
Die Mauer der Rennherde wurden nach und nach auf 1,57 bis 1,89 m erhöht. So entstanden im 8. Jahrhundert in bei Wetzlar die sogenannten die Stücköfen. Allmählich verbreiteten sich diese Öfen im Rheinland. Durch abermalige Erhöhung 4,75 m, bei einem Durchmesser von 1,89 m entstanden im 13. Jahrhundert im Elsass die Hochöfen, welche sich rasch bis in die Eifel verbreiteten.

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts sich im Schleidener Tal schon viele Hochöfen zum Schmelzen der Eisenerze im Betrieb. Die Hütenwerke zu Hellenthal, Kirschseiffen, Blumenthal, Müllershammer, Oberhgausen, Wiesgen und Gangfort entstanden im Jahre 1460. Die Eisenindustrie muss in hoher Blüte gestanden haben, sie wetteiferten mit den Eisenhütten in Schweden und Österreich. Durch die vorzügliche Güte des Eisens gelangten das Eifeler Eisen bald einen europäischen ruf.
Die Eifeler Hüttenwerke gehörten selten einem Eigentümer allein. Der Besitz war meistens in kleinere Anteile zersplittert. So ein Hüttenwerk auch Reitwerk genannt entstand seinerzeit gewöhnlich dadurch, dass sich einige besser situierte Bewohner eines Ortes zusammentaten und Baulichkeiten zum Schmelzen von Eisenerz und Hämmern von Eisen errichteten. Auf die gleich Weise erwarben Sie auch die Rechte zu Ausbeute an einer oder mehreren Erzlagerstätten. Der Betrieb wurde von den Anteilseignern selber besorgt. Je Höhe der Einlage war die Zahl er Arbeitstage und den Anteil am Reingewinn geregelt.
In den Jahren 1585 und 1610 kam es bei einigen Hüttenwerken zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die Werke in Wiesgen und Müllerhammer verfielen. Im Jahre 1910 mußte den werken zu gangfort, Hellenthal, Oberhausen und Kirscheiffen Pacht, Recklohn und Hammerzins vom Grafen von Schleiden erlassen werden. Zu allem Überdruss kam im Jahre 1618 der dreißigjährige Krieg hinzu, der viele Hüttenwerke in den Ruin führte. Die Jahre 1647 und 1650 waren für die Eifeler Eisenindustrie Schicksaljahre. Sie krankten an den Folgen eines immens durchgeführten Vernichtungskampfes. In den Jahren 1657 bis 1696 standen die Hüttenwerke in Hellenthal, Oberhausen und Gangfort still. Die Grafen von Schleiden, Blankenheim und Reifferscheid erliessen den Reitmeistern teilweise bzw. ganz die Abgaben.

Die Schäden und Auswirkunden des dreißigjährigen Krieges waren für die Reitwerke so tief und Nachhaltig, dass erst im Jahre 1731 die Abgaben erhöht werden konnten.
In der Mitte des 16. Jahrhunderts flüchteten auf Grund religiöser Verfolgung Hugonoten aus den Niederlanden und Frankteich in die Eifel. So sind die Familien Wolgart und Peuchen aus Holland und die Familien Virmond und Poensgen aus
Frankreich eingewandert. Diese Waren einsichtige, tatkräftige und unternehmende Männer. Sie führten aus ihrer Heimat technische Verbesserungen im Hüttenbetrieb ein und erschlossen durch ihre Beziehungen neue Absetzgebiete. Die Eifeler Eisenindustrie erfreute sich zu dieser Zeit eines lebhaften Aufschwungs.
Im Jahre 1794 wurde durch das Vordringen der republikanischen Heere Frankreichs die Eifel französisches Gebiet und im Jahre 1804 ein Bestandteil des französischen Kaiserreiches. Unter der Herrschaft von Napoleon entfaltete sich die Eifeler Eisenindustrie zu höchsten Blüte. In den Jahren 1804 bis 1810 wurden große Mengen fertiges Schmideeisen über Malmedy und Lüttich nach Frankreich geliefert. In alter Literatur heißt es: ”Niemals weder vorher noch nachher hat die Eifeler Eisenindustrie so ausserordentliche und günstige Erfolge zu verzeichnen gehabt, als in der Periode kriegerischer Ereignisse, wo in einbem ununterbrochenen Zeitraum von fünfzehn jahren die halbe Welt von Waffen starrte und der Donner der Geschütze in ganz Europa widerhallte”. In den Eifeler Reitwerken wurde Tag und Nacht gearbeitet. Bekannte Eisenfabrikanten waren seinerzeit Schoeller, Cramer, Virmont, Peuchen, Bastian, Poensgen und Axmacher.
Nach dem zweiten Pariser Frieden kam die Eifel im Jahre 1815 zu Preußen. Unter preussischer Regierung war die Produktion der Eifeler Eisenindustrie anfangs noch recht zufriedenstellend. Ab dem Jahre 1825 unterlagen die Eifeler Werke einem starken auswärtigen Wettbewerb.

Bedingt durch die Erfindung der Puddelöfen, war es möglich geworden mittels Steinkohle Schmiedeeisen herzustellen. Die Herstellung wurde dadurch, bei fast gleicher Güte, wesentlich preiswerter. Die Puddelöfen der Gebrüder Remy bei Neuwied (1824), von Hösch zu lendersdorf bei Düren (1825), von Harkort zu Wetter an der Ruhr (1828), von Hörde (1839), von Eschweiler (1841) und von Siegen (1845) verdrängten das Eifeler Eisen immer mehr. Als dann auch noch die Entphosphorung der Eisenerze erfunden wurde und dadurch die gewaltigen Lager des Oolitheisensteins in der Luxemburger Juraformation zu verhütten verwendbar wurden sanken die Roheisenpreise in der Eifel von Jahr zu Jahr. Trotzdem hielt sich der Eifeler Eisen-Hüttenbetrieb bis ca. 1855, erlag dann aber der übermächtigen Konkurrenz der großen Werke im Rheinland und Westfalen. Diese waren im Besitz eines ausgedehnten Eisenbahnnetzes und in der Nähe reichhaltiger Eisenerz- und Kohlelage gelegen und konnten deshalb unter viel günstigeren Verhältnissen produzieren. Nur die größeren Besitzer von Reitwerken hielten, in Erwartung des Zustandkommens der Eifeleisenbahn Kall-Trier einen Teil ihrer Hochöfen noch in Betrieb. Als sich der bau der Bahnstrecke aber immer weiter verzögerte wurde der Betrieb der Eifeler Reitwerke endgültig eingestellt. In einem Reitwerk nach dem anderen erlosch das Feuer. Der Hochofen in Hellenthal im Jahre 1852, der Blumenthaler 1875 und der in Kall im Jahre 1883. Der letzte bis 1896 im Betrieb gebliebene Eifeler Hochofen mit Holzkohlefeuerung war der in Jünkerath.
Der mit
den Hochöfen
stets verbundene Betrieb der Hammerwerke dauerte noch eine kurze Zeit länger.
Das Hammerwerk in Hellenthal stellte 1864 den Betrieb ein, das in Gemünd
1866 und das in Blumenthal 1868. Der letzte Eifeler Eisenhammer von Wilhelm
Arnold Schoeller aus Kirschseiffen verstummte am 26. März 1881 und wurde
im April 1885 abgerissen.