
Die Technik der Kalköfen
Das Brennen der Kalksteine geschah in besonders für diese Zwecke gebauten Kalköfen. Diese waren oft sehr primitiv und in kleinen Dimensionen aufgebaut. Sie sollen den Kalkbedarf in einem relativ kleinen gebiet decken.
Größere Kalköfen befanden sich da, wo gutes Rohmaterial und billiges Brennmaterial ausreichend zur Verfügung stand.
A. Kalköfen für periodischen Betrieb
I. Das Brennen von Kalk in Meilern, Feldöfen und Gruben
Auf einfachste Weise geschah das Brennen von Kalk in Haufen oder Gruben. Hier wurde der Kalkstein mit zwischengeschichteten Holzkohlen gestapelt und erhitzt. Durch diese Art des Brennens erhielt man ein ungleichmäßiges und qualitativ geringwertiges Produkt.
II. Kalköfen, bei denen der Kalkstein mit dem Brennmaterial in Berührung kommt.
Diese einfachen gemauerten Kalköfen hatten unten eine Öffnung, aus dem der gebrannte Kalk ausgezogen werden konnte. Über dieser Öffnung wurde aus größeren Kalksteinen ein Gewölbe errichtet und darüber in wechselnden Lagen Brennmaterial und Kalksteine geschichtet. Die oberste Lage der Kalksteine wurde, um die Hitze im Ofen zu halten, mit Rasen oder Erde bedeckt. Unter dem Gewölbe wurde dann ein Feuer entflammt, dass das Brennmaterial zwischen den Kalksteinen entzündete und somit die Kalksteine erhitzte. Nach der Beendigung des Brennvorganges wurde der gebrannte Kalk durch die erwähnte Ausziehöffnung zu tage gefördert. Anschließend konnte der Kalkofen neu beschickt werden.
Der gebrannte Kalk aus dieser Art Kalkofen war qualitativ nicht sehr hochwertig. Er war durch die Asche des Brennmaterials verunreinigt. Auch war der gebrannte Kalk oft teilweise verschlackt, todgebrannt oder zu wenig gebrannt. Der Vorteil dieser Kalkofenart war der relativ geringe Brennstoffbedarf.
III. Kalköfen, bei denen der Kalkstein nicht mit dem Brennmaterial in Berührung kommt.
Der Betrieb
diese Art von Kalkofen, bei denen das Feuer getrennt von den Kalksteinen
brennt -
die Kalksteine
kamen nur mit der Flamme in Berührung
- war kostenintensiver. Es konnten nur Brennmaterialien verwendet werden,
die eine relativ lange Flamme erzeugten wie z.B. Holz oder beste Kohlesorten.
Einen Kalkofen mit einem flaschenförmigen Innenraum (Schacht) zeigt Bild 2. Hierbei ist a der Schacht zur Aufnahme von Kalksteinen und Brennmaterial, d ein im unterein Bereich des Kalkofens abfallendes Stück Mauerwerk auf dem der gebrannte Kalk nach außen gleiten soll, b vier Abzugsöffnungen, c das Mauerwerk durchbrechendes Arbeitsgewölbe.
Zu Beginn des Brennens wurde im unteren Teil des Kalkofens ein Gewölbe aus Kalksteinen errichtet. Über dem Gewölbe wurden in wechselnden Schichten Kalksteine und Brennmaterial eingebracht. Unter dem Gewölbe wurde ein Feuer angefacht um das zwischen den Steinen vorhandene Brennmaterial in Brand zu bringen. Das Gewölbe wurde nach einiger Zeit, wenn es nicht selber eingefallen war, zerstört, so dass sich der Kalkofen bis zur Sohlen angefüllt werden konnte.
Sollte zu bestimmten Zeiten die Produktion des Kalkofens verringert werden, wurde die Öffnung b einfach verkleinert und somit der Luftzug verringert. Auch bestand die Möglichkeit bei mangelhafter Nachfrage von gebranntem Kalk diesen Ofen im periodischen Betrieb zu betreiben. Bei diesen Brennvorgang rechnete man auf einen Raumteil Kalksteine, 1,5 Raumteile Kohle oder 6 bis 7 Raumteile Torf. Diese Werte konnten sich je nach Beschaffenheit der Kalksteine und Brennstoffe erheblich ändern.
In Bild 1 ist ein Kalkofen dargestellt, bei dem das Brennmaterial nicht mit dem Kalkstein in Berührung kommt. Der Ofen wurde aus Bruch- oder Ziegelsteinen gemauert. Sein Standort war meist an einem Bergabhang. Dadurch wurde ein bequemes Einbringen der Kalksteine gewährleistet. Der Innenraum des Ofens war meistens in der Form wie in Bild 1 gezeigt ausgeführt. Seltener war ein Innenraum in der Form eines abgestumpften Kegels.
Die Höhe der Öfen betrug ca. 5 m bei einem Gichtdurchmesser von ca.1,5 bis 2,0 m. Der größte Durchmesser des Innenraumes war ca. 2,0 bis 3,5 m.
Bevor der Ofen mit Kalksteinen gefüllt wurde, wurde aus größeren Steinen a ein Gewölbe errichtet. Unter dem Gewölbe verblieb ein ca. 1,0 bis 1,25 m hoher Raum, der sogenannte Feuerraum.
Über das Gewölbe wurden dann durch die Gicht b Kalksteine geschüttet bis der Ofen gefüllt war. Auf der Sohle des Ofens wurde ein Feuere errichtet, dass die Kalksteinmassen erhitzte. Die Öffnung, welche zum Ausziehen des gebrannten Kalkes und zur Herstellung des Gewölbes erforderlich war, wurde während des Brandes soweit vermauert, dass nur noch eine kleine Öffnung für die Befeuerung blieb.
Der Brand inklusive des ausziehend des gebrannten Kalkes dauerte ca. 6 bis 8 Tage. In einem Jahr wurde demnach ca. 35-mal gebrannt. Ein Volumenteil Kalksteine erforderte 2 bis 3 Volumenteile gutes Buchenholz.
B. Kalköfen für kontinuierlichen Betrieb
Bei einem kontinuierlich betrieben Kalkofen waren die Aufwendungen für Brennmaterial und Lohnkosten geringer als bei einem periodischem Betrieb. Der Ofen brauchte nicht zum einbringen des Gewölbes erst kalt werden und anschließend wieder aufgeheizt werden. Außerdem hatten diese Kalköfen einen größeren und kontinuierlichen Ausstoß an gebranntem Kalk. Die kontinuierlich betrieben Kalköfen konnte man wie die periodisch Betriebenen einteilen in Kalköfen bei denen das Brennmaterial zwischen den Kalksteinen lag und Kalköfen bei denen die Kalksteine nur mit der Flamme des Feuers in Berührung kamen. Die vor- und Nachteile beim Brennen sind die Gleichen wir beim periodischen Betrieb.
III. Kalköfen, bei denen der Kalkstein mit dem Brennmaterial in Berührung kommt.
Diese
Kalköfen unterschieden sich von denjenigen mit periodischem Betrieb
nur durch die Anordnung der Ausziehöffnung, die so ausgeführt war,
dass der gebrannte Kalk kontinuierlich und fortwährend abgezogen werden
konnte. Der Ofen wurde von Oben mit wechselnden Schichten von Brennmaterial
und Kalksteinen immer wieder nachgefüllt. Ein Ofen mit periodischem
Betrieb konnte relativ einfach in einen Ofen mit kontinuierlichem Betrieb
umgewandelt werden.

