


Französiche
Herrschaft -
Moderner Großbetrieb
1794
besetzten die französischen Revolutionstruppen das linke Rheinufer. Der Mechernicher
Bleiberg entwickelte sich unter französischer Herschaft in kurzer Zeit
zum ergiebigsten Bleierzabau des neuen Kaiserreichs. Verantwortlich dafür
waren zum einen das neue französische Bergrecht, welches zur Neuverteilung
der Konzessionen auf Kosten der Eigenlöhner führte und die steigenden
Bleipreise in Folge der Kontinentalsperre, die die Gewinne steigerten.
Der noch heute für
die Entwässerung der gesamten Lagerstätte wichtige Burgfeyer Stollen
wurde 1807 angesetzt (Länge 7450 m). Mit der Gründung von Aktiengesellschaften
erfolgte eine Konzentration auf nur drei Bergbauunternehmen und besonders
die Aktivitäten der Familie KREUSER leiteten eine Epoche der technischen
Entwicklung ein, die den Bleiberg zu dem damals modernsten Bergwerks- und
Hüttenbetrieb machten.
1852 wurde der erste Tagebau eröffnet, dem weitere folgten. Der Abbau
erfolgte von Hand, wobei das lose Haufwerk von Strosse zu Strosse „getempelt“
(hochgeschaufelt) wurde.
Bald wurden die Tagebaue
jedoch von Strecken unterfahren, das Haufwerk über Erzrollen abgezogen
und über leistungsstarke Schächte zu Tage gefördert. Die
Gewinnung erfolgte je nach Gesteinssituation mit der Keilhaue oder durch
Bohr- und Schießarbeit.
Parallel dazu wurde auch die Erzgewinnung unter Tage modernisiert. Die „Beutelarbeit“
wurde 1850 aufgegeben. Man begann mit dem „Weitungsbau“ und
ging wegen der Abbauverluste in Folge der stehengebliebenen Pfeiler (20
– 25 %) schließlich zum Kammerbruchbau über.
Die ab Mitte des 19. Jahrhunderts ständig steigenden Fördermengen
konnten mit den primitiven Pochwerken (22 im Jahre 1858) nicht mehr bewältigt
werden. 1874 wurde im „Bachrevier“ eine mit Dampfkraft betriebene
Großanlage installiert, die eine kleinere Vorgängeranlage gleichen
Namens ablöste: das sog. „Königspochwerk“ war mit
265 Pochstempeln damals die größte Anlage auf dem Kontinent.
1869 entstand südlich von Mechernich mit der Magdalenenhütte eine
moderne Bleihütte. Ihr 134,6 m hoher Kamin (1885) wurde zum Wahrzeichen
Mechernichs („Langer Emil“). Die Belegschaft im Mechernicher
Revier erreichte 1882 mit 4470 Mann einen Höchststand.
Nach 40-jähriger Blüte war schließlich die Glanzzeit des Mechernicher Bergbaus beendet. Der „Mechernicher-Bergwerks-Actien-Verein“, der inzwischen zum Alleineigentümer geworden war, zahlte ab 1893 keine Dividenden mehr aus.
Mißwirtschaft, Raubbau und schwieriger werdende Lagerstättenverhältnisse waren die Ursachen dafür, daß 1908 die Gesellschaft aufgelöst wurde. 1911 übernahm die Gewerkschaft Mechernicher Werke (G.M.V.) als Auffanggesellschaft das Unternehmen, der es aber nicht gelang, die Betriebe zu neuem Erfolg zu führen.
Nach dem 1. Weltkrieg war die Existenz des Mechernicher Bergbaus wegen der wirtschaft-lichen Lage bedroht, und es kam mehrfach zu Produktionseinstellungen durch die Französische Besatzungsmacht. Ab 1928 wurde der Bergbau vor allem aus sozialpolitischen Gründen staatlich subventioniert. 1937 übernahm auf Betreiben der Nationalsozialisten die PREUSSAG den Betrieb.
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Frühe Erzgewinnung bis zum 15. Jahrhundert
Der Bergbau im Bereich
Mechernich ist vermutlich schon von den Römern, möglicherweise
sogar von den Kelten betrieben worden. Gegenstand des Bergbaus waren ausschließlich
derbe, leicht aufbereitbare Erze aus Klüften kalkiger Schichten des
Oberen Mitteldevons, sowie Derberze im Deckkonglomerat der erzführenden
Mechernicher Buntsandsteinschichten.
Aus dem frühen Mittelalter gibt es keine Zeugnisse über Bergbauaktivitäten.
Erst im Jahre 1394 erfolgte eine urkundliche Erwähnung des Metallerzbergbaus
im Raum Mechernich-Kall. Bis zur französischen Besetzung unterstand
der Mechernicher Bleiberg verschiedenen Landesherren. Der Abbau galt weiterhin
dem derben Bleiglanz aus den festen Konglomeraten, den man durch Abrösten
gewann. Die Erzführung der damals nutzbaren Vorkommen in den Wackendeckeln
war sehr wechselhaft, was den Bergbau auf eine große Zahl kleiner
Abbaustellen beschränkte. Außer der Existenz einer Schmelzhütte
bei Kall ist über die Verarbeitung der Erze aus dieser Zeit nichts
bekannt.
Der Eigenlöhnerbergbau
Mit der Erfindung des „Beutelkorbes“ im 15. Jahrhundert wurde es möglich, die Bleierzknotten aus den weichen, mürben Sandsteinflözen, also dem Hauptteil der Lagerstätte zu gewinnen. Dieses einfache Aufbereitungsgerät bestand aus einem Holzgestell mit Bügelgriff. Der im Gestell gelagerte Korb aus dünnen Weidenruten oder Messingdraht war so dicht geflochten, daß nur der lose feine Sand des zerreibbaren Sandsteins die Maschen passierte, die Bleierzknotten aber zurückblieben. Mit Handhaspel und Holzkübel wurde nur das Knottenkonzentrat gefördert, der Sand blieb in der Grube zurück. Der Beutelkorb wurde noch bis in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts verwendet.
Zur Mitte des 15. Jahrhunderts setzte so mit dem Eigenlöhnerbergbau eine erste Blüte des Bergbaus am Bleiberg ein, der im Laufe der Jahrhunderte den gesamten Bleiberg mit tausenden kleiner runder Schächte („Reifenschächte“) und ihren Sandhalden überzog.
Wegen der völligen
Bergfreiheit wurde der Bergbau hauptsächlich von den Bauern als Nebenerwerb
in rücksichtslosem Raubbau betrieben, wobei sich der Landesherr nur
den Zehnten vom Erz und das Vorkaufsrecht auf das Silber vorbehielt. Zum
Schutze der Lagerstätte wurde 1578 schließlich von den Fürsten
von Arenberg eine strenge Bergordnung erlassen.
Vor allem zudringendes Wasser setzte dem Eigenlöhnerbergbau ein Ende,
so daß die Lagerstätte von 1583 – 1629 nahezu unbearbeitet
blieb.
Großunternehmer und Stollenbau
Eine Wende trat im Jahre 1629 ein. Drei Großkaufleute verpflichteten sich zum Bau eines Wasserlösungsstollens und erhielten dafür die alleinigen Abbaurechte im Einzugsbereich des Stollens. Einer der Kaufleute war Johann MEINERTZHAGEN aus Köln. Die Meinertzhagensche Unternehmensgruppe sollte bis in das 19. Jahrhundert eine der größten Bergbautreibenden im Mechernicher Revier bleiben.
Der Stollenbau erwies
sich als ein solcher wirtschaftlicher Erfolg, daß 1690 ein weiterer
Stollen 17,5 m tiefer angesetzt wurde, der 1756 durch einen dritten Stollen,
den Elisabeth-Stollen, ersetzt wurde, der mit einer Länge von 2,7 km
über 100 Jahre den größten Teil des Meinertzhagenschen Lagerstättenbesitzes
entwässerte.
Der Stollenvortrieb verbesserte die Kenntnis der Lagerstätte und durch
das Absenken des Grund-wasserspiegels wurde es möglich, mehrere, übereinanderliegende
Knottenflöze abzubauen, wobei die zwischenlagernden festen Konglomeratschichten
und genau übereinander angeordnete Sicherheitspfeiler die Standfestigkeit
des Grubengebäudes garantierten.
