Weitere Forschungen über die physikochemischen Vorgänge bei der Erzbildung legen eine wichtige Rolle durch Kohlenwasserstoffe bei der Fällung von Sulfiden zugrunde (FRIEDRICH, GERMANN, JOCHUM 1993). In Frage kommende Kohlenwasserstoffe wurden auch in Untersuchungen an Gesteinsmaterial aus dem Bereich der Rescheider Erzvorkommen festgestellt.

Bezüglich des Bildungsalters der Erze von Bleialf-Rescheid-Mechernich können erst seit wenigen Jahren genauere Aussagen gemacht werden. Bislang war klar, dass diese Vorkommen gleichaltrig und jünger als Keuper-zeitlich abgesetzt worden sein müssen. Durch Altersdatierungen mit der Rb-Sr-Methode finden SCHNEIDER et al. (1999) Bildungsalter von 170 +/- 4 Mill. Jahren in Zinkblende-Proben aus diesen Vorkommen. So lässt sich das Bildungsalter auf die Mittlere Jura-Zeit festlegen.

Diese Lagerstätten besitzt für Sammler und Min4eralienliebhaber eine besondere Attraktivität, da sie schönste Stufen mit großen Kristallen zu liefern imstande sind. Gerade die Grube Wohlfahrt war früher sehr bekannt für ihre besonders großen, würfelförmigen Bleiglanzkristalle, die bis zu einem halben Meter Kantenlänge erreichen konnten.

Erzführender Gute-Hoffnungs-Gang
Grube Schwalenbach 1978
Bildbreite 60 cm

Prachtstufe mit bis zu 5 cm große Bleiglanzkristallen
Grube Schwalenbach - A-Gang

Literatur:

BORNHARDT, W. (1912): Über die Gangverhältnisse des Siegerlandes und seiner Umgebung. Teil II. Kgl. Preuss. Geol. Landesanstalt, Berlin

BORNHARDT, W. (1912/13): Die Erzvorkommen des rheinischen Schiefergebirges. In: Metall und Erz, X., H 1

von DECHEN, H. (1866): Orographisch-Geognostische Übersicht des Regierungsbezirkes Aachen. Verlag von Benrath & Vogelsang, Aachen, 292 S.

FRIEDRICH, G., GERMANN, A. & JOCHUM, J. (1993): Schichtgebundene Pb-Zn-Vorkommen in klastischen Gesteinen vom Typ Maubach-Mechernich Lagerstättenbildung durch intraformationale Prozesse. In: Mitt. Österr. Miner. Ges., Vol. 138, S. 93-106

KRAHN, L. (1988): Buntmetall-Vererzung und Blei-Isotopie im linksrheinischen Schiefergebirge und in angrenzenden Gebieten. Diss. RWTH Aachen 1988

SCHNEIDER, J.C.; HAACK, U.; HEIN, U.F.; GERMANN, A. (1999): Direct Rb-Sr dating of sandstone-hosted sphalerites from stratabound Pb-Zn deposits in the northern Eifel, NW Rhenish Massif, Germany. Mineral Deposits: In: Processes to Processing, Stanley et al. (eds.), Rotterdam, 1287 1290

VOIGT, A. (1952): Die Metallerzprovinz um das Hohe Venn. In: ERZMETALL, Bd. V, S. 223 - 233

Die Rescheider Mineralien sind insgesamt an gangförmige Erzvorkommen gebunden, die in den gefalteten Tonschiefern und Grauwacken des Unterdevons als Gangzug auftreten und sich im Bereich von Rescheid scharen. Wegen der Vorherrschaft des Bleis und der besonderen Silberarmut des Bleiglanzes gehören diese einem besonderen Gangtyp an, der als Typus der Glasurerzgänge lagerstättenkundlich eingestuft wird. Genetisch stehen sie in direktem Zusammenhang mit den Vorkommen, die parallel zum Gebirgsstreichen von Nord-Luxemburg im Südwesten, über Bleialf und Rescheid bis Mechernich im Nordosten reichen. Dies ist als Bleialf-Rescheider Gangzug bekannt (VOIGT, 1952).

Die Erzvorkommen dieses Gangzuges, die mit der nicht gangförmigen Mechernicher Bleierzlagerstätte durch gleiche Abkunft verknüpft sind, sind auch insoweit bemerkenswert, als sie durch die besondere Qualität dieser Glasurerze durch mehrere Jahrhunderte eine in wirtschaftlicher Hinsicht besondere Bedeutung aufweisen.

Die Erze von Rescheid wie auch die weiteren Vorkommen der Glasurerzgänge bildeten sich durch Vorgänge im Erdinnern. Voraussetzung waren Störungssysteme im Gebirge, welche mehrere Kilometer tief in die Erdkruste hinabreichten und während der Vorgänge der variskischen Gebirgsbildung vor ca. 300 - 280 Millionen Jahren angelegt wurden. Diese Störungen dienten als Wegsamkeiten bzw. Aufstiegswege für hydrothermale Erzlösungen, hochsalinare, mineralreiche Wässer mit Temperaturen von 100 - 150 °C. In geeigneten Zonen konnten sich Erze und andere Mineralien durch Kristallisation innerhalb von Gesteinsspalten ausscheiden und bildeten so die langgestreckten, relativ unregelmäßig ausgebildeten Erzgänge. Aufgrund der tektonischen Vorgaben sprich der durch die Gebirgsbildung verursachten Spannungen im Erdinnern kam es zur Ausbildung bevorzugter Raumrichtungen der Erzgänge, die um Rescheid annähernd Nord-Süd-Erstreckung aufweisen.

Früher nahm man einen genetischen Zusammenhang mit einem erzbringenden Magmakörper oder einem Pluton unter der Eifel an; bis heute konnte aber kein entsprechender nachgewiesen werden. Ein bereits zur Unteren Devonzeit unter dem Vennkern aufgestiegener Magmenkörper, der u.a. den Hilltal-Tonalit formte, wäre viel zu alt. Das basaltische Magma, welches den Vulkanismus in der Eifel verursachte, ist viel zu jung und kommt auch aus anderen Gründen nicht als Lieferant für die Schwermetalle in den Eifeler Erzen in Frage.

Die heute allgemein vertretene Auffassung einer Mobilisation dieser Metalle aus paläozoischen Sedimentgesteinen im tieferen Untergrund wird erstmals in bezug auf die Eifeler Erzvorkommen durch KRAHN (1988) in einem genetischen Modell vorgestellt, gestützt durch Blei-Isotopen-Analysen verschiedener Erze und Gesteine. Auch Rescheider Material lag diesen Untersuchungen zu Grunde.

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