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Eisen- und Ockergewinnung im Wehrer Kessel

Das Interesse an geologischen Fragen war in der Bevölkerung wohl noch nie so groß wie in der heutigen Zeit. Vor allem die Phänomene des Vulkanismus finden größte Beachtung. Und da das Vulkangebiet des Laacher-See-Bereiches die vielseitigsten Beobachtungsmöglichkeiten bietet, zieht es große Scharen von geologisch interessierten Besuchern an.
Fast „ein Muss“ für solche geologischen Wanderer, ist dabei auch ein Besuch des Wehrer Kessels, den ein Geologe unlängst als ...die am meisten bereiste Caldera Deutschlands bezeichnete – bedingt durch die an seinem Ostrand verlaufende Autobahn A61.

Neben dieser Caldera an sich ( = ein vulkanisches Einbruchbecken; von span.: Caldera = Kessel) bieten sich dem interessierten Wanderer in Wehr die verschiedensten geologischen Aufschlüsse dar: Basalte, Lava, Basalttuffe, Sande, und vor allem die an der Westseite des Dachsbusch gelegene Eiszeitliche Rutschfalte findet als klimageschichtliches Denkmal heute größte Beachtung.

Einigermaßen bekannt aus der geologischen Literatur ist den meisten Besuchern auch die Tatsache, dass der Bergzug am Nordrand des Wehrer Kessels den Namen „Hüttenberg“ trägt und damit an eine Eisenhütte erinnert, welche an seinem Fuße im 16. und 17. Jahrhundert existierte. Über das in der Nähe gelegene Erzvorkommen, die Errichtung der Hütte, das Produktionsprogramm, Kapazität, Energieversorgung, Absatzwege, Personalbestand, die Hüttenmeisterfamilien u.v.m. konnte der Verfasser vor einigen Jahren in dem Buch „Das Dorf Wehr; Band II“ ausführlich berichten.

Weniger bekannt ist, dass am Westrand des Wehrer-Kessels in den Jahren von ca. 1850 – 1890 von der Gute-Hoffnungs-Hütte auch Eisenerz gefördert und zur Verarbeitung nach Oberhausen transportiert wurde. Von diesem Bergwerk ist mir bisher nur bekannt, dass es ... mit einem Stollen, sechs Schächten und fünf Abbausohlen erschlossen wurde. Der Betrieb wurde um 1890 eingestellt „ ... wegen giftiger Gase“. Insgesamt ist diese bergmännische Tätigkeit gut 100 Jahre nach ihrem Ende in Wehr fast völlig vergessen, bzw. harrt sie noch der Erforschung.

Hier aber soll über eine andere, fast in Vergessenheit geratene Bergbautätigkeit in der Gemarkung Wehr berichtet werden, welch auch mindestens 100 Jahre währte: Der Abbau von Eisenocker! Obschon erst nach 1957 der Abbau von Ocker eingestellt wurde, ging die Erinnerung an diesen Bergbau für die jüngeren Generationen in Wehr auch schon fast verloren.

Ocker ist ein Brauneisen-Erz (Limonit), das meist mit Ton, Quarz und Sand vermengt ist. Das überwiegend feinerdige Gemisch erhält seine gelb-rötliche Färbung durch das enthaltene Eisenoxyd. Allgemein gelten Erze ab einem Eisengehalt von 16 – 18% bereits als verhüttungswürdig. So verblüfft es fast, wenn man erfährt, dass der Eisengehalt des Ockers in Wehr etwa 43 % betrug! Diese Tatsache führte also zum Abbau des Ockers an der Welschwiesenmühle. Er wurde aber nicht etwa zur Eisen verhüttet – sondern zur Farbherstellung gebraucht.

Als Farbmittel diente Ocker bereits in der Steinzeit: Die Toten wurden oft mit dem rötlichen Ocker (als Lebensfarbe) bedeckt – man spricht von der Ockergrabkultur. Auch in den berühmten Felsmalereien der Steinzeit (ab 30.000 v.Chr.) wurde oftmals Ocker als Farbe verwendet.

Gehen wir einmal der Frage nach, wie ein so abbauwürdiges Ockervorkommen in den Wehrer Kessel gelangte?

Der Geo-Physiker H. Djawadi konnte 1980 mit seinen elektromagnetischen Messungen, welche sehr tief ins Erdinnere vordrangen, nachweisen, dass der Förderschlot des Wehrer Vulkans nicht etwa in der Mitte des Kessels, sondern am Nordrand desselben lag. Die Talsohle des Kessels enthält über mächtigen Schichten pyroklastischen ( = feuerzerklüfteten) Gesteins einige Meter fruchtbaren Sedimentboden, der sowohl aus abgeschwemmten Tonschichten von den Kessels reicht dieser fruchtbare Talboden nicht an den jäh ansteigenden Hüttenberg oder an den anschließenden Gillenberg, denn hier befindet sich zwischen Acker und Berg ein tieferliegendes Moor- und Sumpfgelände ganz anderer Art: genannt ‚der Bruch’. (sprich gedehnt: Bruuch; Schreibform vom 16. – 19. Jahrhundert: Broich). Der Bruch in seiner ursprünglichen Ausdehnung und Ausbildung war ein Areal von ca. 1 km Länge und durchschnittlich 100 m Breite, dass sich im Bogen erstreckte zwischen den Feldern ‚auf Breiderath’ und den vorgenannten Kraterbergen. ‚Der Bruch’ war bis Mitte der 1950er Jahre fast völlig versumpft und an kaum einer Stelle begehbar. Er war ganz mit Schilf und Sumpfpflanzen bewachsen – und Hunderte Quellen kohlensäure- und eisenhaltigen Wassers sprudelten in diesem Sumpf.

Bruno Andre

1863 beschreibt der bekannte Geologe Dr. H. von Dechen den nördlichen Teil des Tales und den Bruch folgendermaßen:
„ Der Boden des ebenen Tales wird von sumpfigen Wiesen eingenommen und hat nur ein geringes Gefälle nach der Abflussstelle, wo der Wirrbach beginnt. An der Nordost-Seite treten unzählige Sauerquellen hervor, welche mit großen Ablagerungen von Ocker umgeben sind, der als Farbematerial Benutzung findet. Nur zur trockenen Jahreszeit, wenn die einzelnen, inselartig aus dem Sumpf herausragenden Stellen trocken sind, kann die ungeheure Kohlensäure-Gasentwicklung ringsumher beobachtet werden. Das Brausen des Gases, welches sich zum Teil in kopfgroßen Blasen entwickelt und das Sauerwasser fußhoch empor treibt, ist so stark, dass es schon in bedeutender Entfernung gehört wird.“

Ich selbst habe aus meiner Jugendzeit die gleichen Erinnerungen – auch an das beschriebene Geräusch aus dem Bruch. Wie schon gesagt: Alle Quellen, die größeren und die ungezählten Kleinen, förderten ein Wasser, welches reichlich Kohlensäure und Eisenoxydul enthielt. Kohlensäure löst und transportiert Eisen! Es ist wohl so, dass die aufsteigenden Kohlensäuregase - welche noch Reste des Vulkanismus sind – auf dem Weg zur Erdoberfläche hin Eisenlager berühren, dort Kraft ihrer chemischen Eigenschaften Eisen lösen und mit an die Oberfläche transportieren. (Die Eisenhütte und die ‚Isenbergkulen’ befanden sich ja auch direkt am Bruch!)

Das mitgeführte Eisen der Sauerquellen aber "fällt" bei Berührung mit dem Luftsauerstoff als Eisenhyroxid oder Eisenschlamm aus dem Wasser aus. Dieser rötliche Eisenschlamm wurde früher von den Schilf- und Sumpfpflanzenbeständen wie in einem Riesenfilter zurückgehalten – zumal fast kein Gefälle und keine Strömung im Bruch vorhanden war. Wie in Sümpfen üblich, roch das Sumpfwasser sehr übel und faulig. Und zwischen dem Schilf, den Seggen und was immer für Sumpfpflanzen vorhanden waren, sah man stets diesen roten Eisenschlamm. Seine träge Entwässerung fand das Bruch-Sumpfgelände schließlich in dem fließenden Wirrbach, (von Wehr-Bach?) so hieß der Bach immer ab der Stelle, wo er alle Wasser des Tales gesammelt hat, hinunter nach Niederzissen fließt und dort in die Brohl mündet – einen kleinen Nebenfluss des Rheins.

Es sei erwähnt, dass alle Bäche des Wehrer Tales auch durch den Bruch hindurch ihren Abfluss fanden und auch heute noch finden. Konkret bedeutet dies, dass die Entwässerung eines Gebietes von ca. 8,5 qkm durch den Bruch geschieht. Ebenso werden durch Bäche die Wasser jener sieben Quellen durch den Bruch geführt, welche im Wehrer Kessel entspringen: nämlich die Quellen im Hausenstück, in der Ruts, in Dittenstall, in Tiefenthal, am Poppelsbur, in der Weiherwiese und zusammengeasst die Quellen, welche den Ransbach speisen. (Die Quellen von Hausenstück, Tiefenthal und Poppelsbur werden heute sofort in Drainagen geleitet – sind also nicht mehr sichtbar.)

In früherer Zeit wurden die daraus entspringenden Bäche zur Bewässerung der Wiesen kunstvoll durch die Talsohle nach Norden gelenkt. Auf Anordnung des Abtes Balthasar Panhausen (1582 – 1606) wurden alle Bäche aber vor der Eisenhütte (welche direkt neben dem Bruch stand) vereinigt, damit der dann recht kraftvolle Bach das Pochwerk und die Blasebälge der Hütte antreiben konnte. Einige hundert Meter weiter westlich wurden die Wasser des Baches ein weiteres mal genutzt, um die Hämmer des zur Eisenhütte gehörenden Hammerwerks (um Schmiedeeisen herzustellen) ebenfalls anzutreiben. Dann wurde in unmittelbarer Nachbarschaft der Mühlteich noch mit dem Wasser gefüllt und die zum Dorf gehörende "Willmuhl" – heute: Welschwiesenmühle – mit dem Wasser betrieben. Da führte also ein Graben die Wasser des Tales am Bruch vorbei, oder teilweise auch hindurch, und nahm allmählich die im Schilf "vorgeklärten", nur noch leicht rötlichen Wasser des Bruches mit auf.

Irgendwann im Laufe der Jahrhunderte aber mag sich eine Natürliche Schlammfalle für die Eisenschlamm-Wasser des Bruches gebildet haben, denn oberhalb der Mühle fanden sich sehr reine Ockerablagerungen, welche stellenweise bis zu einer Höhe von über drei Metern anstanden. Da die Analyse dieses Erzes 43% Fe (Ferrum = Eisen) auswies, unterlag der Abbau in preußischer Zeit (seit 1815) der Kontroll- und Genehmigungspflicht. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass aus den letzten 150 Jahren einige Dokumente vorliegen, welche ein wenig Aufschluss geben über den Ockerabbau im Bruch. Ebenso hilfreich ist der Umstand, dass ab 1846 die Beschlüsse des Gemeinderates in einem Protokollbuch festgehalten werden mussten.
So findet sich in den Akten des Bergamtes ein Dokument, das am 29. Dezember 1849 der Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten, den Bergwerksbesitzern Telemark und George Michiels zu Eschweiler bei Aachen, die Konzession für die Eisenlagerstätten in den Gemarkungen Wehr, Glees und Niederzissen unter dem Namen ‚Gaseisen’ erteilt hat. (In der Nähe des Bruches stoßen die drei Gemarkungen zusammen. Die Konzession betraf auch Schürfrechte in den beiden anderen genannten Gemarkungen.)

Widmen wir uns hier den unter ‚Gaseisen’ einbezogenen Ockervorkommen: Im März 1853 läuft ein Rechtsstreit um die Ockerausbeute am Bruch – und die Eigentumsverhältnisse hatten bereits gewechselt: Am 14.3.1853 erklärt Herr Josef Engels von Erpel vor dem Bürgermeister, ... er habe von den Herren Bischoff und Söhne zu Linz deren Anteil an dem sogenannten Bruche käuflich übernommen ... und um einen Rechtsstreit zu vermeiden mache er folgenden Vorschlag: Die Gemeinde solle ihm eine Entschädigung von 300 Talern zahlen (?) und ihm den Distrikt zur Ockergewinnung auf zehn Jahre verpachten.“! Die Gemeinde bot ihm 200 Thaler, und er müsse pro Jahr mindestens 50 Kisten Ocker aus der Grube im Bruch entnehmen, ferner von jeder Kiste zwei Thaler bezahlen.

Wie groß diese Kiste sein sollte, wird nirgends definiert. Ich denke, dass diese Kiste auf einen Pferdewagen passte, denn sicher musste man den Ocker nach Brohl bringen, wo er dann per Schiff, oder mit der neuen Eisenbahn weitertransportiert werden konnte.

Von da an tauchen in den Gemeinderatsprotokollen immer wieder Verhandlungen über das Gelände am Bruch auf. Sie befassen sich zwar meist mit der möglichen Kohlensäuregewinnung, aber immerfort beziehen sie sich auch auf den Ockerabbau.
So findet sich 20 Jahre später, bei einer weiteren Pachtverlängerung um sechs Jahre immer noch der genannte Josef Engels; ebenso 1879 wieder – nur dass er jetzt für die Kiste Ocker 7,25 Mark bezahlt. Aus den Gemeinderatsprotokollen ist zwar nur ein lückenhaftes Bild zu gewinnen. So, dass 1894 ein Carl Knenertz jun. aus Düsseldorf sich verpflichten will, jährlich 100 Kisten Ocker zu entnehmen – aber es wird nicht klar, ob dieses Angebot angenommen wurde.

Aus den Akten des Bergamtes Koblenz geht dann hervor, dass die Bergwerksrechte seit 1892 bei der Phönix-AG in Laar bei Ruhrort lagen. Diese gestattet 1922 den Farbwerken Otto Schmidt in Oberneisen bei Diez a.d. Lahn den Ockerabbau. Der Betrieb ging am 1. März 1922 mit einer Belegschaft von sechs Mann in Förderung.

Das Erz wurde im Tagebau abgebaut (s. Abb.2) und zwar im Etagenbau. Über dem 2 – 3 m mächtigen Eisenocker-Erzlager lag eine 1 – 3 m hohe Abraumdecke. Das abgebaute Ocker-Erz wurde mittels Feldbahngleisen und Rollwagen zur 150 m entfernt liegenden Straße gebracht und von dort mit Pferdefuhrwerken zur Kleinbahnstation nach Niederzissen transportiert. Es war eine voraussichtliche Förderung von 20 to/täglich vorgesehen. Es ist nicht bekannt, wie lange diese Farbwerke die Gewinnung in dem Felde "Gaseisen" betrieben.

1929 pachtete Wilhelm Michel aus Frankfurt/M die Ockergrube. Für die Vorkriegsjahre sind immerzu Förderungen belegt – aber es gab offenbar auch Ruhepausen. Ein Foto, welches einen französischen Kriegsgefangenen bei der Grabungsmannschaft zeigt, kann nur in den ersten Kriegsjahren entstanden sein.

Eisenocker-Austritt im Wehrer Kessel (Foto Archiv Geomontanus)
Abb.2: Abbau des Ockers im Tagebau. Deutlich zusehen die Abbau- Technik im “Etagen bau.“
Im Vordergrund: die Gleise der Feldbahn. (Foto Bruno Andre)

Abb. 3: Foto der „Grabungsmannschaft“ etwa in den Jahren 1940 – 1942.
In der Mitte ein französischer Kriegsgefangener;
außen zwei namentlich bekannteBürger aus Wehr.
Ein für unsere Gegend typischer Ackerwagen ist bereits mit Ocker beladen. (Foto Bruno Andre)

Die Grube Gaseisen ging 1953 von der Firma Michels & Vögelin, Wirges Ww. über an die Farbenfabrik Alois Anton Hilf in Limburg/Lahn. Aus den Jahren 1953/54 sind dem Bergamt Abbauzahlen bekannt, aus 1955/56 dagegen nicht. Die letzten Fördermengen, nämlich 55 to, wurden 1957 gemeldet.

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Das von dem Geologen H. von Dechen eingangs beschriebener Brausen des Gases war aber nicht immer das lauteste Geräusch, welches vom Bruch her zu vernehmen war. Viel lauter, nämlich bis in das 1,5 km entfernte Dorf schallend, war das Quaken unzähliger Frösche, welches man zur Laichzeit an stillen Abenden tatsächlich hören konnte. Denn natürlich hatte das Sumpfgelände des Bruches seine eigene Pflanzen- und Tiergesellschaft.

Immer aber hatte es schon mal Überlegungen gegeben, den Bruch zu entwässern, um das „unnütze Gelände“ in landwirtschaftlich nutzbare Fläche zu verwandeln. Schon 1856 befasste sich der Gemeinderat mit dieser Frage.

Bis dann, mit Übergabetermin 1955, in Wehr eine Flurbereinigung stattfand, durchgeführt durch das Kulturamt Mayen. Da wurden, dem Denken jener Jahre entsprechend, alle Bäche verlegt, begradigt und befestigt – und der Bruch wurde tatsächlich, zum größten Teil trocken gelegt. Als erste Maßnahme wurde 1952 das Bachbett im Bruch unter großen Schwierigkeiten aus dem Sumpfgelände an den höher gelegenen Waldrand gelegt. Dann rückte ein Bagger mit extrem breiten Raupenketten an, welche ein versinken im Sumpfgelände verhindern sollten. (Trotzdem versank er öfters, und seine Bergung gestaltete sich jedes Mal außergewöhnlich schwierig.) Aber der Bagger besiegte letztlich den Sumpf doch: Alle 6 – 8 m zog der Bagger bis zu 1,50 m tiefe Gräben, in welche Drainagerohre verlegt wurden, die an einen Hauptsammler angeschlossen wurden und im Bachbett enden.

Immerzu hatte man in den letzten hundert Jahren Meliorationsmaßnahmen schon versucht, aber die angewandten Methoden brachten nie den angestrebten Erfolg. Jetzt aber wurden die Sumpfwasser tatsächlich abgeführt, vor allem gelang dies, weil man mehr Gefälle in den Drainagerohren verwirklichen konnte.

Was man aber nicht bedacht hatte: Die Filterfunktion, welche Schilf, Seggen, Huflattich und die ganze ehemalige Pflanzengesellschaft gebildet hatte, entfiel nun gänzlich. Der Eisenschlamm, der auch heute noch im Wasser vorhanden ist, hat in dem schneller fließendem Wasser zunächst keine Möglichkeit ‚auszufällen’

So nimmt es kein Wunder, dass dieser Vorgang erst nach Hunderten Metern im Wirrbach geschieht: Hier erst tritt die Wirkung des Luftsauerstoffes auf das Eisen in Erscheinung – das Eisen ‚fällt aus’, lagert sich an den Bachrändern ab und färbt sie mit jenem rötlichen Eisenschlamm, der früher oben im Bruch zu sehen war.

Nur eine Fläche von etwas über 3 ha trotzte den Bemühungen des Kulturamtes – hier blieben die alten Zustände einigermaßen erhalten. Diese Fläche wurde 1978 zum Naturschutzgebiet erklärt.

Die Ockervorräte waren wohl auch ziemlich erschöpft – und wenn ich das richtig sehe, haben Planierraupen das Abbaugelände so rigoros eingeebnet, dass die Stelle heute nur schwer zu lokalisieren ist. Ocker aber findet man auf den jetzigen Ackerfeldern im ganzen früheren Sumpfgebiet noch sehr viel.

Andere Zeiten brachten andere Denkweisen: Sieht man die heutigen Stilllegungen von Ackerflächen in den besten Flurlagen, so hat man selbst als Landwirt ein anderes Verhältnis und (Un-) Verständnis zu den so mühsam gewonnenen Flächen geringwertigen Ackerlandes auf dem Bruch. Heute denkt man anders. Heute würde der Bruch vermutlich nicht mehr trockengelegt werden, sondern diese Naturidylle mit ihrer spezifischen Fauna und Flora würde wohl möglichst unberührt gelassen.

Weiterführenden Literatur zum Dorf Wehr
bei Herrn Bruno Andre, Grabenstraße 37, 56653 Wehr