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Die Geologie der Gemeinde Kall

Das Gemeindegebiet Kall mit seinen Erzlagerstätten liegt im Nordosten auf dem Buntsandstein der Trias, welche in Kall an der Gemünder Straße und an der Trierer Straße als steil abfallende Erosionskante sichtbar ansteht. Der südöstliche Teil der Gemeinde gehört geologisch zur Sötenicher Kalkmulde, die im Wesentlichen mitteldevonischen Gesteine aufweist. Der westliche Teil des Gemeindegebietes birgt die älteren Gesteine des Unterdevons. Bei Straßbüsch ist ein kleiner Aufschluss an Kalksteinkonglomeraten des Perm vorhanden.

Die Buntsandsteine der Trias

Die entlang des Urfttales anstehenden Buntsandsteinfelsen gehören zum erdgeschichtlichen Zeitalter der Trias (250 - 210 Mio J.). Mit ihrer namengebenden Dreiteilung in Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper folgt diese Einheit auf das unterlagernde paläozoische Grundgebirge (Erdaltertum). Dieser neue Abschnitt mit den markanten rotgefärbten Gesteinsschichten markiert den Beginn des Erdmittelalters (Mesozoikum) und ist Teil des jüngeren Deckgebirges in der Eifel. Gesteine des Buntsandsteins sind in vielen Regionen Deutschlands weit verbreitet, in der Eifel sind sie auf bestimmte Areale beschränkt.

Die Buntsandstein-Ablagerungen sind sehr arm an Fossilien, so dass vereinzelte Funde zu den großen Seltenheiten zählen. Sie zeigen die Existenz einer interessanten Wirbeltierfauna mit Amphibien und frühen Saurierformen (Chirotherien) auf. Abdrücke von Pflanzen weisen eine Verbreitung von höheren Farnen und Bärlapp-Gewächsen nach.

Die Lage der Kontinente auf der Erdkugel war zur Trias-Zeit anders als heute. Sämtliche Landmassen waren zu einem einzigen Superkontinent, Pangäa, vereint. Mitteleuropa lag mit Nordamerika, Asien und Südkontinenten verbunden, auf etwa 30 Grad nördl. Breite. Hierdurch lässt sich auch das damals wärmere, semi-aride Klima erklären. Anschließend, während der Jura -Zeit (210 - 140 Mio. J), brach Pangäa langsam wieder auseinander.

Bei Kall treten verschiedenartige Gesteine aus dem Mittleren Buntsandstein und dem Oberen Buntsandstein mit etwa 200 - 250 m Mächtigkeit zu Tage. Es handelt sich um Ablagerungen, welche aus dem Ablagerungsschutt des paläozoischen Grundgebirges (überwiegend devonzeitliche Gesteine des Rheinischen Schiefergebirges) in tiefer gelegene Senken in der sog. Eifeler Nord-Süd-Zone hineingeschwemmt wurden.

Neben den durch Eisenbeimengungen rotgefärbten Sandsteinen treten häufig Zwischenlagen von Konglomeraten auf, die an groben Waschbeton erinnern. Untergeordnet kommen auch Zwischenlagen aus weichen, rotbraunen Tonsteinen vor. Diese Gesteine haben sich anders als die marinen paläozoischen Tonschiefer oder Kalk- und Dolomitsteine terrestrisch, d. h. auf dem Festland gebildet.

Breite, verflochtene Wildflüsse verteilten die Lockermassen (Kies und Sande) weitflächig in den Niederungen; aus den direkt angrenzenden Hochgebieten stammten die groben Kiesel und Gerölle, bestehend aus kieseligen Sandsteinen und Milchquarzen. Die feinkörnigeren Sande dürften nach mehrfacher Umlagerung von weiter entfernten Bereichen aus dem Süden herangeführt worden sein, vermutlich aus dem französischen Zentralmassiv.

Durch häufige Änderung von Fließrichtung, Fließgeschwindigkeit und Wassermenge haben sich wechselweise grobkörnige und feinkörnige Gesteine, oft mit dem Merkmal der Schräg- oder Kreuzschichtung, übereinander gelegt. Durch die spätere unterschiedliche Verfestigung durch Kieselsäure (Verkieselung = Verkittung der Kornzwischenräume durch Si02) bilden sich oft bizarre Verwitterungsformen wie Hohlkehlen, Wabenmuster und simsartige Vorsprünge heraus, die die Buntsandsteinfelsen zu beliebten Kletterfelsen machen.

Beitrag von Nikolaus Kley
Die Erz-Lagerststätten in der Gemeinde Kall

Schichtfolge des Trias-Buntsandsteins in der Gemeinde Kall
Quelle: Wilhelm Meyer, Die Geologie der Eifel, 1986 und Ribbert, 1985

Die Buntsandsteine, die entlang dem Bachverlauf der Urft den Ort umrahmen sind ein Wahrzeichen von Kall.
Die Kalksteinkonglomerate der Perm-Zeit

Der Untergrund unter der Ortschaft Golbach enthält, als lokale geologische Besonderheit, Gesteine aus der Perm-Zeit (Alter 290 - 250 Mio. J.), welche die oberste, d.h. die letzte Einheit des Erdaltertums darstellt. Darüber folgen die geologischen Einheiten der Buntsandstein-Zeit (Trias-Zeit: 250 - 210 Mio. J.). Das Perm wird untergliedert in "Rotliegendes" und "Zechstein".

Die hier aufgeschlossenen permischen Gesteine sind in der Nordeifel nur an dieser Stelle als Aufschluss deutlich über Tage sichtbar (Abbildung 8). Es handelt sich hier um sog. Kalksteinkonglomerate. Dies sind durch eine rote, feinkörnige Grundmasse verbundene Gerölle und kantige Bruchstücke aus Kalk- und Dolomitsteinen. Durch Bohrungen in Golbach und Dottel ist die weitere Verbreitung einer etwa 9 - 15 m mächtigen Schicht dieser permischen Kalkkonglomerate nachgewiesen. Weitere Vorkommen von Perm-Gesteinen finden sich in der Wittlicher Senke, in der Südeifel und in den Ardennen im Graben von Malmedy.

Geologischer Schnitt Obergolbach/Strassbuesch
(schematisch N - S)
umgezeichnet nach K.-H. Ribbert, 1980
Die Eifel war zur Perm-Zeit noch überwiegend Festland, da zur oberen Karbon-Zeit das variskische Gebirge als Faltengebirge aufgestiegen ist. Über eine lange Zeitdauer von vielen Millionen Jahren wurde dieses Gebirge durch Erosion wieder abgetragen. Der dabei entstehende Verwitterungsschutt ist in Senken hineingeschwemmt und abgelagert worden. So gelangten auch die devonischen Kalk- und Dolomitsteine, die uns aus der Sötenicher Kalkmulde vertraut sind, als grobes Geröll im Kaller Bereich nach wenigen Kilometern Transport wieder zur Ablagerung. Sie sind also wichtige Zeugen der zu Ende gehenden variskischen Gebirgsbildung, welche sich weltweit abspielte und die damaligen Landmassen zu einem Großkontinent "Pangäa" zusammenschweißte. Die Eifelregion lag damals etwa auf 30 Grad nördl. Breite, also viel weiter südlich als heute. Das Klima wandelte sich von tropisch humid zu ariden, eher trockenwüstenhaften Bedingungen, worauf die charakteristischen roten Oxidationsfarben der eisenhaltigen Gesteine zurückgeführt werden. In der Evolution der Tier- und Pflanzenwelt vollziehen sich wichtige Schritte. So das massenhafte Aussterben altertümlicher Lebensformen wie die Trilobiten und viele Korallen- und Amphibienarten. Dafür befinden sich die Samenpflanzen und Reptilien in schneller Entfaltung. In den hiesigen Kalkkonglomeraten treten allerdings keine permischen Fossilien auf.