
Die Erz-Lagerstätten in der Gemeinde Kall
Der Bereich um die Ortschaft
Kall gehört aufgrund der geologischen
Situation zu den rohstoffreichsten Bereichen der Eifel. Seit über 2000
Jahren wurden vor allem Bleierze und Eisenerze geschürft und weiterverarbeitet.
Die Abbildung gibt die
Lage der Hauptvorkommen wieder. Sie befinden sich direkt am Südrand der Mechernicher Trias-Senke, die im Südosten
an die Sötenicher Kalkmulde und im Westen an die Schichten des Unterdevons
grenzt.
Dadurch sind verschiedenartige Blei- und Eisenerztypen unterscheidbar, die
wissenschaftlich in ihrer Entstehung jeweils anders gedeutet werden müssen
(QUIRLING 1935; RIBBERT 1985; STADTLER 1986):
* Lagenweise Anreicherungen von Brauneisenstein finden sich auf den Perm-Schichten um Golbach. Hierzu zählen die Felder Stahlberg und Neue Concordia (1 und 2) an der Kindshardt und der Loshardt. Die ausgedehnten Vorkommen wurden hier durch die Verwitterung eisenschüssiger, permischer Kalksteinkonglomerate und Anreicherung der Eisenanteile in einem roten Ton unterhalb des Bundsandsteins gebildet und waren mit 40 - 50% Eisengehalt recht hochwertig. Zum Abbau musste aber die über 10 m mächtige erzfreie Deckschicht durchteuft werden.
* Kleinere Brauneisenstein-Anreicherungen in Sandsteinen und Konglomeraten des Buntsandsteins, diese hatten nur lokale Bedeutung.
Die lagerartigen Eisenmangankarbonat-Vorkommen, auch als metasomatische Eisenerze oder als Sphärosiderit-Lager bezeichnet, finden sich in den Dolomitsteinen der Sötenicher Mulde. Herkunft und Alter der Erze sind noch nicht geklärt. Die Metallgehalte lagen bei 28% Fe und 6,5% Mn. Durch Verwitterungs- bzw. Oxidationsvorgänge bildeten sich über dem Grundwasserspiegel daraus manganreiche Brauneisensteine (mit 45% Fe und 4% Mn). Die zwischen Keldenich und Sötenich gelegenen Felder Heidenacker und Girzenberg (3 und 4) waren die wichtigsten Vorkommen; das Girzenberg-Lager war zumeist zwischen 1 - 10 m mächtig, das Heidenacker-Lager nur etwa 1 - 4 m.
* Die Bleierzanreicherungen in den mitteldevonischen Dolomitsteinen am Keldenicher Tanzberg (5) sind zum Teil gangartige Reicherze und an Klüfte und alte Karsttaschen gebunden. Die Sulfiderze wurden durch, aus der Tiefe aufsteigende heiße, wässerige Erzlösungen gebildet und sind oberflächennah z.T. zu Weißbleierzen oxidiert.
* Die sogenannten Imprägnations- und Knottenerze der Mechenicher Lagerstätte (8) sind an Sandsteine und Konglomerate des Buntsandsteins "flözartig" geknüpft. Sie sind nach deren Ablagerung ebenfalls durch heiße metallreiche Wässer, die aus der Tiefe aufstiegen, in einem weitflächigen Areal abgeschieden worden. Die Erze sind "Armerze" mit Metallgehalten von meist unter 3% Blei, zum Teil mit geringen Anteilen von Zinn und Kupfer.
Die Mächtigkeit und Art der Lagerstätten des Kaller Revieres wurden in der Zeit der Autarkiebestrebungen des Deutschen Reiches in den Jahren 1935 bis 1938 untersucht. Aus dieser Zeit liegen Untersuchungsberichte, Analysen und Gutachten der Preuss. Geol. Landesanstalt Berlin vor, welche die Beschaffenheit der Manganeisenerzlagerstätte der Kaller Grube Stahlberg und ihre Ausdehnung beschreiben. Dazu wurden mehrere Versuchsschächte abgeteuft. Die Schächte hier in der Nähe erreichten Teufen von bis zu 70 m. Sie durchstießen dabei drei Eisenerzlager von 1 m bis 3 m Mächtigkeit. Der Grundwasserspiegel wurde stellenweise erst nach 38 m erreicht. Das dabei aus den Lagerstätten geförderte Eisenerz hatte eine Zusammensetzung von bis zu 40 % Fe (Eisen) und 54 % Mn (Mangan) und besaß somit einen hohen Marktwert. Der Durchschnittsgehalt aller erzhaltigen Lagermassen der Schächte betrug jedoch nur 15 % Fe und 7 % Mn.
Das Mangan trat dabei als Psilomelan
auf. Dies ist ein Hartmanganerz, in dem ein Teil des MnO2 durch BaO oder
K2O ersetzt ist. Eine Untersuchung von
Erzhandstücken, die man in den alten Grubenhalden im Grubenfeld Stahlberg
gefunden hatte, ergab folgende Erzsorten und Analysen:
Brauneisenstein: 25% bis 50% Fe, 4,5% bis 18% Mn
Eisenmanganerz: 29% Fe 30% Mn
Manganerz: 1% bis 6% Fe 50% bis 55% Mn.


