
Montangeschichtliche Zusammenfassung
Die nordwestliche Eifel von der Oberahr bis Stolberg ist eine der ältesten und bedeutendsten Industriegebiete des Rheinlands gewesen. Die Eisenerzvorkommen und die Bleierzlagerstätten trugen in den vergangenen Jahrhunderten zu einem gewissen Wohlstand in dieser Region bei. Heute noch künden feudale Herrschaftsgebäude wie Burg Dahlbenden oder prächtige Patrizierhäuser von den Zeiten wirtschaftlicher Blüte in der Eifel, die auf den Mineralreichtum der Landschaft zurückzuführen ist. Natürlich waren der Wert und die Menge der Ausbeute entsprechend den wirtschaftlichen Verhältnissen in den verschiedenen Jahrhunderten ungleich gewesen, doch gab es immer wieder Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs.
In den Bachtälern der Ahr, der Urft, der Olef, der Rur und der Vicht entstanden Eisenhütten und Hammerwerke, deren Namen sich bis heute erhalten haben oder die namengebend für eine Gemarkung oder den Ort waren, wie z.B. Schmidtheim, Ahrhütte, Pleushütte, Mulartshütte, Schevenhütte, Zweifallhammer, um nur einige zu nennen. Das reichlich vorhandene Wasser der Bergbäche und der Holzreichtum der nahen Wälder begünstigten das Entstehen dieser frühen Industriestandorte in der Nähe der Erzgruben. Man nahm dafür die schwierigen Transportwege auf unzureichend befestigten Straße in die Handelzentren der Städte Köln, Trier und Lüttich in Kauf.
Eine besondere Konzentration an Eisenhütten, die in der Eifel Reitwerke (vom mhd. Verb "reiten" = aufbereiten) genannt wurden, gab es an der Urft und an der Olef. Das hier unter den Höhenzügen der Kindshardt, der Loshardt und des Girzenberg anstehende Eisenerz hatte eine vorzügliche Qualität und wurde an die Hütten des Schleidener Tales sowie an die Hütten Kalls und Gemünds geliefert. Holzkohle lieferten ursprünglich die tiefen Wälder der Dörfer selbst. In späterer Zeit, als diese Wälder abgeholzt waren, bezog man die Holzkohle aus dem nahen Kermeter, der bis in die 60er Jahre unseres Jahrhunders Köhlern den Rohstoff für ihre Erzeugnisse lieferte.
Bergbauliche Flurbezeichnungen
Viele Wege und Straßen wurden erschlossen, um den Eisenstein und die Holzkohle an die Hüttenbetriebe des Kaller Revieres liefern zu können. Heute noch künden Wegenamen und Flurbezeichnungen von diesen Pioniertaten. So sind die Kohlwege bekannt, die die Fuhrleute zum Transport der Holzkohle benutzten. Einer dieser Wege verbindet die Wälder des Kermeters mit Kall und mit dem Bleiberg bei Mechernich. Er ist heute ein beliebter Wanderweg des Eifelvereins. Ein weiterer führt aus den Wäldern der heutigen Krekeler Heide über Sistig nach Sötenich und Dahlbenden zu weiteren Reitwerken an der Urft. Dieser Kohlweg wird heute als Fahrstraße benutzt und verbindet die vorgenannten Orte.
Wo Eisenerz verhüttet wird benötigt man Wasser zum Antrieb der Hochofengebläse und der Reck- und Schmiedehämmer. Wo dieses Wasser nicht immer in gleichbleibender Menge zur Verfügung stand, wurden Speicherbecken gebaut oder Bäche aufgestaut. Das Wasser dieser Staubecken ist durch Gräben an die Verbraucher geleitet worden. So findet man die Reste großer Speicherbecken im Bereich der ehemaligen Steinfelder Hütte in Urft und am Gut Neuwerk in Urfter Rosaul. In Kall erinnert nur noch der Straßenname "Am Hüttengraben" an den künstlich angelegten Verbindungskanal vom Urftstauwerk bei Sötenich zur Kallbachhütte, die in der Kaller Ortsmitte gelegen war. Er wurde bei Straßenbaumaßnahmen verschüttet.
Die Flurbezeichnung "Pütz" (von lat. puteus, puits = Bergwerkschacht) findet man vielfach in der Umgebung Kalls. So seien erwähnt der Silberpütz bei Lorbach, der Pützberg ein altes Bergbaugelände bei Dotteln und Keldenich sowie Wielspütz bei Bescheid/Lückerath (lat. wicil puits = alter Stollen).
Auch Hof- und Familiennamen
des Bereiches Kall erinnern an den alten Bergbau. So der Stürzer Hof in Heistert, wo der kurfürstliche Erzmeister
oder Stürzer wohnte, der zur Absonderung des Zehnten die gesamte Ausbeute
der Bergwerke mit einer geeichten Sturzkarre zusammenbringen und "stürzen",
d. h. ausschütten musste (Abbildung 5). Ein Familienname, der eng mit
dem Kaller Bergbau verbunden ist, ist der Name Pünder. Der Pünder
(abgeleitet von Pfund, Pünder Hof ebenfalls Kaller Heistert ) oder Wiegemeister
war zur Wahrung der fiskalischen Interessen dem Bergmeister zur Seite gestellt.
Dies war so festgeschrieben im Bergweistum des Jülicher Wildbanns Kall
vom Jahre 1494. Mit dem Namen Pünder lebt also das Andenken an das Amt
des Erzwiegers fort, dem bis zur französischen Besatzung des linken
Rheinlandes die Verwaltung des landesherrlichen Bergregals oblag.

Der Gebiet des Eisensteinrevieres der Bachtäler Urft und Olef.
