
Die Frösche von Wassenach
Die Tatsache, dass am Westhang des Kungkopfes fossile Schätze in der Tiefe verborgen liegen, ist schon seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert bekannt. Seinerzeit wurde bei Schürfarbeiten auf der Suche nach Wasser im Liegenden von quartären Löslehmen mit umgelagerten Schlacken und tertiären Tonen ein Ölschiefervorkommen entdeckt.
Aufgrund ihres hohen Aschegehaltes waren diese "Braunkohlen" kommerziell nicht nutzbar. Die Preußische Geologische Landesanstalt erkannte aber anhand der aufgefundenen Pflanzenfossilien die große Bedeutung dieser Lagerstätte für die Tertiärstratigraphie und ließ 1926 eigens zur Gewinnung von Versteinerungen einen Schacht abteufen.
Diese Maßnahme
war sehr erfolgreich, denn die Sedimente des Kunkskopf-Sees entpuppten
sich als das reichste Vorkommen fossiler Frösche in Deutschland.
Zusätzlich wurden, neben einer großen Anzahl pflanzlicher Fossilien,
Muschelkrebse, wenige Insektenreste, fragliche Fischreste und zwei Vogelfedern
gefunden.
Schon damals muss die Bröckeligkeit des tektonisch beanspruchten Gesteins den Ausgräbern große Schwierigkeiten bereitet haben, denn die erwähnten Vogelfedern konnten nicht geborgen werden. 1928 legte WOLTERSTORFF eine Bearbeitung der Froschlurche von Burgbrohl vor, die aus heutiger Sicht aber dringend revisionsbedürftig erscheint. Leider gingen im II. Weltkriege alle Fossilien , mit Ausnahme der Pflanzen verloren.
Bedingt durch die, zumindest für Deutschland, Einzigartigkeit dieses Vorkommens wurde beschlossen die Lagerstätte zu erschließen. Die geplante Grabung stellte eine besondere Herausforderung dar, da die fossilführenden Ölschiefer in einer Teufe von ca. 12 Meter anstehen und Funde wie Abraum zu Tage gebracht werden mussten. Ende 1999 gelang es der Erdgeschichtlichen Denkmalpflege Rheinland-Pfalz die Grabung erfolgreich zu beenden.
Die Hauptmasse der gefundenen
Fossilien stellten Pflanzenreste dar. Auffallend ist dabei die Häufigkeit von Samen und Früchten, Blättern
von Ahornverwandten und Lorbeergewächsen vom Typ Daphmogene sowie von
Nadelhölzern, wie z.B. Sumpfzypressengewächse, deren Reste ganze
Schichtflächen bedecken.

Neben Ostrakoden, die in einigen Lagen massenhaft auftreten, konnten, vorwiegend mit diesen vergesellschaftet, viele Reste von Schnecken geborgen werden. Körperfossilien von Insekten z.B. Käfern, sind sehr selten, jedoch ließen sich Kleinlibellen (Zygoptera) indirekt anhand eines charakteristischen Eigeleges vom "Ceonagrioniden-Typ" nachweisen.
Die Wirbeltiere sind durch Fische, Amphibien und Reptilien vertreten, wobei die Fische fast ausschließlich in einer gut einen Dezimeter mächtigen Lage auftreten und voraussichtlich alle zum Verwandtschaftskreis der heutigen Weißfische (Familie Cyprinidae) gehören. Es liegen aber möglicherweise Reste von zwei verschiedenen Formen vor. Ein kleiner juveniler Weißfisch ist wohl verwandt mit der, auch in anderen oligo-miozänen Lagerstätten wie z.B. Rott im Siebengebirge nachgewiesenen Gattung Palaeotinca, während eine größere Form noch nicht näher bestimmt werden konnte.
Die Froschlursche lassen sich
mindestens zwei verschiedene Familien zuordnen, zum einen den ausgestorbenen
Palaeobatrachidae und zum anderen den Krötenfröschen
(Pelobatidae), die uns heute z.B. durch die auch bei uns heimische Knoblauchkröte
(Pelobates fuscus) vertraut sind. Während die Palaeobatrachiden von
landlebenden Fröschen abstammen, sind aber anatomisch an ein Wasserleben
angepasst haben, handelt es sich bei den Pelobatiden um vorwiegend landbewohnende
Tiere, die den Kunkskopf-See lediglich zur Fortpflanzungszeit aufgesucht
haben dürften. Der Befund, dass die Palaeobatrachiden stark dominieren,
scheint diese Interpretation zu stützen. Die Frochlursche sind aber
in Burgbrohl nicht nur mehr oder weniger erwachsene Exemplare belegt, sonder
auch durch ihre Kaulquappen in den unterschiedlichsten Entwicklungsstadien.

Wie wir von einem Gewässer, das Amphibien offensichtlich zeitweise gute Lebensbedingungen bot, annehmen dürfen, bevölkerten auch Schwanzlurche den Kunkskopf-See. Diese sind uns leider nur in Form von wenigen Fragmenten überliefert. Anhand ihrer Größe und der Knochenplatten, die die Schwanzregion verstärken, lassen sie sich immerhin als Verwandte der Krokodilmolche ansprechen.
Bislang noch unpräparierte Knochenreste gehören möglicherweise zu einem Säugetier. Funde großer, phosphatisierter Koprolithen und isolierter Zähne zeigen uns, dass der Kunkskopf-See bzw. sein Uferbereich groß genug war, um von Krokodilen, vorläufig als Diplocynodon sp. bestimmt, bewohnt zu werden. Alle Zahnfunde besitzen eine resorbierte (rückgebildete) Wurzel und sind deshalb den Tieren durch ihren natürlichen Zahnwechsel abhanden gekommen.
Die Krokodilreste sind darüber hinaus wichtige Klimaindikatoren und lassen darauf schließen, dass in der Osteifel die Jahresmitteltemperatur zur Zeit der Ablagerung der Kunkskopf-Seesedimente deutlich höher lag, als dies heute der Fall ist. Obwohl Krokodile gelegentlich Frosteinbrüche tolerieren können, würden sie die heutigen starken und länger andauernden Frostperioden in der Region nicht überleben. Auch im Vergleich mit der oberoligozänen Lagerstätte Enspel im Westerwald fällt der hohe prozentuale Anteil ganzrandiger Blätter auf. Wahrscheinlich repräsentieren die Sedimente des Kunkskopf-Sees einen wärmeren Zeitabschnitt an der Wende Oligozän/Miozän.
Bedingt durch die ca.
12 Meter mächtige Überdeckung und die aus
Stabilitätsgründen notwendig gewordene Verfüllung des Grabungsareals
sind die fossilführenden Schichten heute nicht mehr zugänglich.